Mexiko: Eine Vision von „heilender Gemeinschaft der Glaubenden“

Pfr. Roberto Trejo Haager, Präsident der Mexikanischen Lutherischen Kirche. Foto: LWB/S. Gallay

Kirchenpräsident Trejo Haager über Schritte zu einer Kirche und Gesellschaft ohne Barrieren

Guadalajara (Mexiko)/Genf (LWI) – Als heilende Gemeinschaft von Glaubenden möchte Pfr. Roberto Trejo Haager die lutherische Kirche in der heutigen mexikanischen Gesellschaft erleben. Der Präsident der Mexikanischen Lutherischen Kirche (ILM) hat eine klare Vorstellung vom Zeugnis der Kirche: „Egal in welchem Kontext – die lutherische Botschaft hat einen hohen Wert und große Bedeutung, denn bei der Botschaft des Evangeliums, die wir weitersagen, geht es um die Gnade Gottes.“

In einem Interview mit der Lutherischen Welt-Information beschreibt Trejo Haager seine 1.500 Mitglieder starke Kirche als „Weizenkorn in der Gesamtgesellschaft, denn die Kirche ist sehr klein. Es fällt uns nicht leicht, die Mission aus der Kirche hinauszutragen. Aber wir wissen, dass die wahre Inspiration vom Heiligen Geist kommt.“ Die Kirche gehört seit 1957 dem Lutherischen Weltbund (LWB) an und sie wächst, trotz ihres von besorgniserregender Gewalt geprägten gesellschaftlichen Umfelds.

Trejo Haager wurde nach Abschluss seines Studiums am Seminario Luterano Augsburgo (Mexiko-Stadt) im Jahr 2007 ordiniert. Seit Januar 2018 leitet er die Kirche in dem überwiegend römisch-katholischen lateinamerikanischen Land.

Hoffnungsbotschaft des Evangeliums

Die ILM besteht aus 11 Gemeinden, engagiert sich aber über den eigenen kirchlichen Rahmen hinaus auch in der Gesellschaft. Einen entscheidenden Beitrag habe die Kirche im Zusammenhang mit der hohen Mordrate im Land zu leisten: nach Daten des Innenministeriums waren in der ersten Jahreshälfte 2018 fast 16.000 Opfer zu beklagen. Die Ursache liege in der Aktivität der Drogenkartelle und anderer Krimineller. „Mexiko ist zu einem sehr gewalttätigen Ort geworden, das Leben hier kann brutal sein. Deswegen müssen wir die Botschaft des Evangeliums anbieten als Botschaft der Hoffnung inmitten von Gewalt.“

In Mexiko-Stadt etwa, wo die Gewalt erheblich zugenommen hat, nutzt die Kirche öffentliche Foren, um sich für Frieden einzusetzen; von den Behörden fordert sie den Schutz aller Bürgerinnen und Bürger ein. Auch in Bibelarbeiten wird die Problematik für alle Altersgruppen – Kinder, Jugendliche und Erwachsene – thematisiert. Damit soll nicht nur das Bewusstsein geschärft, sondern auch, in Trejo Haagers Worten, „eine heilende Gemeinschaft von Glaubenden“ geschaffen werden. „Wir fangen beim Evangelium an und bieten so inmitten einer von Konflikten zerrissenen Gesellschaft Worte der Hoffnung.“

Der ILM-Präsident verweist in diesem Zusammenhang auf ein zweijähriges Projekt, das die Kirche 2018 initiiert hat. Unter dem Titel „Schritte zu einer Kirche ohne Barrieren“ sucht sie nach Lösungen für die Gewaltkrise der mexikanischen Gesellschaft. „Wir sind uns bewusst, dass wir die Beispiele von Gewalt, die wir in der Gesellschaft erleben, in der Kirche reproduzieren. In diesem Projekt geht es uns darum, uns unter der Führung des Heiligen Geistes wahrhaft verwandeln zu lassen, damit wir die Barrieren niederreißen können, die uns trennen“, erläutert er.

Dienst an den Nächsten

Trejo Haager führt weiter aus: „Die lutherische Auslegung des Evangeliums spricht von der Solidarität aller Menschen – Frauen und Männer – und niemand ist gleicher als andere, denn wir alle sind in Sünde verstrickt.“

Er betont: „Selbstverständlich bezeugen wir das Evangelium in der lutherischen Tradition, aber wir haben auch eine enge Bindung an das Umfeld, in dem wir leben, und das hilft uns, unsere Arbeit in unseren Kontext hinein fortzusetzen. Soll heißen: vor Gott sind wir alle gleich und darin liegt unser Auftrag zum Dienst an unseren Nächsten innerhalb der Kirche und über sie hinaus.“

In der ILM wirken neun Ordinierte – drei Pfarrerinnen und sechs Pfarrer – sowie weitere kirchliche Mitarbeitende. Alle wurden am Seminario Luterano Augsburgo ausgebildet, das von Gemeinden der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Amerika unterstützt wird. Das Seminar bietet auch Fernkurse für Lektoren und Prädikantinnen an, die sich so von zu Hause aus ausbilden lassen können. Den Laiinnen und Laien vermitteln Fachleute biblisches Wissen und rüsten sie für ihre Aufgaben in der Kirche zu.