Die Tür öffnen für eine lutherische theologische Ausbildung

Mitglieder des LWB-Beratungsgruppe für theologische Aus- und Weiterbildung stehen vor dem Lund-Kreuz in der Kapelle des Ökumenischen Zentrums in Genf. Foto: LWF/S. Gallay

Der LWB setzt eine strategische Beratungsgruppe für die  theologische Aus- und Weiterbildung ein

Genf, Schweiz (LWI) – Der Lutherische Weltbund steht vor der Gründung eines neuen Netzwerks zur Stärkung der theologischen Aus- und Weiterbildung innerhalb der Gemeinschaft.

In vielen Teilen der Welt haben Menschen keinen Zugang zu einer lutherischen theologischen Ausbildung. Auf der Zwölften Vollversammlung in Windhoek, Namibia wurde eine Resolution angenommen, die den LWB zur Vorlage einer Strategie zur Gründung eines Netzwerks der Mitgliedskirchen, theologischen Einrichtungen, Missionsorganisationen und ökumenischen Partner auffordert, um einen erweiterten Zugang zur theologischen Ausbildung zu ermöglichen.

Eine strategische Beratungsgruppe hat mit einer Analyse des Problems begonnen und wird die Gründung des Netzwerks begleiten und unterstützen. Sie besteht aus Studierenden sowie Theologinnen und Theologen der Mitgliedskirchen und theologischen Institute und wird sich zwei Jahre regelmässig treffen, um eine Strategie für das Netzwerk auszuarbeiten.

Ausbildung für alle, die sich zum Dienen berufen fühlen

Der LWB-Studiensekretär für lutherische Theologie und Praxis, Pfr. Dr. Chad Rimmer, erklärte, das Netzwerk werde sich mit Möglichkeiten befassen, den Zugang zur theologischen Ausbildung für alle Menschen zu erweitern, die sich als Laien oder Ordinierte zum Dienst berufen fühlten.

In einigen Ländern ist die Ausbildung nach Aussage von Rimmer für angehende Studierende zu teuer oder nicht verfügbar, während theologische Institute in anderen Ländern nicht genügend Ressourcen hätten oder für die meisten Studierenden und ProfessorInnen nicht interessant seien.  Weitere Hemmnisse sind das Arbeiten in anderen Sprachen und unterschiedliche Akkreditierungssysteme.

Eine der Lösungen, so fügte er hinzu, könnte in der Einrichtung digitaler Plattformen bestehen, um Ressourcen gemeinsam zu nutzen und den Austausch zwischen Studierenden und Fakultäten zu erleichtern.

„Wir verfügen dort draussen über das Fachwissen und die Ressourcen - AusbilderInnen, theologische Institute und Mitgliedskirchen, die wissen, was sie für ihre eigenen Dienste brauchen. Wir haben ebenfalls viele fruchtbare bilaterale und ökumenische Partnerschaften innerhalb der Gemeinschaft“, sagte Rimmer.

„Wir brauchen aber eine globale Plattform, um einen multilateralen Raum zu schaffen, in dem jeder seinen Ausbildungsbedarf und die verfügbaren Ausbildungsressourcen teilen kann. Das ist die Aufgabe, die der LWB auf globaler Ebene übernehmen kann.“

Ausbildung ist „immens wichtig“

Rimmer erklärte, die gemeinsamen theologischen Reflexionen seien eine der Säulen der Arbeit des LWB. „Gemeinsame Initiativen in der theologischen Ausbildung sind nicht neu, aber die Frage ist, wie wir heute damit umgehen. Wie sichern wir eine nachhaltige theologische Ausbildung als Gemeinschaft in einer Weise, die wir als ‚Einzelkämpfer‘ nicht leisten können? Ausbildung gibt uns Rüstzeug und verändert uns, und sie ist für unsere Zukunft als Gemeinschaft immens wichtig.“

Jubleth Aurey Mungure, Mitglied der Beratungsgruppe, Student und ebenfalls Mitglied der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Tansania, ist davon überzeugt, dass die Gruppe eine Strategie für ein „faires und realistisches“ Netzwerk von Kirchen und theologischen Instituten weltweit vorlegen wird.

„Ich hoffe, das Netzwerk wird viele Theologinnen und Theologen zusammenbringen und ihnen die Möglichkeit geben, sich über die in ihrem Bereich wichtigen Fragen auszutauschen. Da Einheit Macht bedeutet und selbst Christus in Johannes 17 darauf bestanden hat, dass alle eins sein sollen, wird das Netzwerk die Möglichkeit bieten, eine theologische Ausbildung für viele Menschen erreichbar zu machen.“

Ein weiteres Mitglied der Beratungsgruppe, Dr. Mika Vähäkanmgas, Professor für Kirche und Mission an der Universität von Lund, erklärte, da es in den westlichen Ländern an Studierenden der Theologie mangele und es weltweit an theologischer Ausbildung fehle, sei hier eine optimale Kombination gegeben. Allerdings, so erklärte er weiter, gingen die Meinungen darüber, was Theologie, akademische Exzellenz und theologische Ausbildung seien, beträchtlich auseinander. Die Beratungsgruppe und das Netzwerk könnten sich dieses Themas annehmen und eine Möglichkeit finden, alle Anforderungen in gleicher Weise zu erfüllen.